KI und Gestalttherapie
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1.3 Zielsetzung

Ziel dieser Arbeit ist es aufzuzeigen, dass die therapeutische Beziehung zwischen Therapeut*innen und Klient*innen strukturell durch KI nicht ersetzt werden kann. Es soll gezeigt werden, dass KI ontologisch und strukturell an ihre Grenzen stößt, wenn es darum geht, eine heilsame Beziehung einzugehen, und das unabhängig davon, wie schnell die Rechenleistung ist, wie genau Maschinen uns messen können oder ob Roboter zukünftig in der Lage sind, einen eigenen Leib zu simulieren.Fußnote 1 Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt dennoch auf sogenannten Large Language Models, also auf KI-Systemen, die mit Sprache operieren. Denn wir stehen erst am Anfang einer rasanten Entwicklung: Künftige Systeme werden weit über Sprechen und Schreiben hinaus mit Menschen interagieren und Mikroexpressionen im Gesicht, die Klangfarbe der Stimme, die Spannung der Haut schneller und genauer messen können, als es Menschen je könnten.

Diese Grenzziehung soll interdisziplinär theoretisch fundiert werden, um das genuin Menschliche einer Begegnung aufzuzeigen.

Zugleich will die Arbeit differenzieren statt pauschal abwehren: Sie bestimmt, was KI als Werkzeug im therapeutischen Feld leisten kann, und leitet daraus Handlungsempfehlungen für einen verantwortlichen Einsatz ab.

Da es sich um eine Graduierungsarbeit in Integrativer Gestalttherapie handelt, besteht ein weiteres zentrales Ziel dieser Arbeit darin, darauf aufbauend zu zeigen, dass gestalttherapeutische Konzepte wie die leibliche Awareness, das Wirken im intersubjektiven Feld an der Kontaktgrenze und die unmittelbare Gegenwärtigkeit im Hier und Jetzt, genau jene Qualitäten kultivieren, die einer maschinellen Berechnung strukturell verwehrt bleiben.

Letztlich verfolgt die Arbeit ein zutiefst humanistisches Anliegen. Die technologische Entwicklung wird dabei nicht primär als Bedrohung verstanden, sondern könnte auch als Spiegel fungieren, der uns aufruft, das genuin Menschliche wieder bewusster zu kultivieren. Die Maschine beherrscht das Verfügbare besser als wir. Umso mehr wird es darauf ankommen, das zu pflegen, was sich der Berechnung entzieht.

Warum und wie die Gestalttherapie uns dabei helfen kann, unsere menschliche Resonanzfähigkeit im digitalen Zeitalter achtsam zu bewahren, werden die folgenden Kapitel zeigen.

Fußnoten

  1. Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt dennoch auf sogenannten Large Language Models, also auf KI-Systemen, die mit Sprache operieren.